Erhoben:
Die Software, die du brauchst, kannst du inzwischen selbst bauen. Das sage ich seit Monaten. Klingt nach Programmierer-Romantik? Vielleicht. Deshalb habe ich an dieser Website ausprobiert, wie weit das für eine einzelne Person trägt, mit KI-Agenten als Entwicklern und mir als dem, der sie führt.
Hier steht, was dabei herausgekommen ist, gezählt am 28. September 2026. Und eine Stelle, an der mich das Selbstbauen fast eine Panne gekostet hätte.
Die Ausgangslage
Eine Personenmarken-Website mit Newsletter, Mitgliederbereich und Publikationen ist im Normalfall ein Plugin-Stapel: ein Newsletter-Dienst, ein Anmeldeplugin, ein Formular-Plugin, ein Cookie-Banner, dazu ein paar Abos. Jedes davon bringt eigene Daten, eigene Updates und oft einen Server in den USA mit.
Ich wollte das Gegenteil wissen: Was passiert, wenn man die Funktionen, die man wirklich braucht, einzeln selbst baut?
Die Entscheidung
WordPress als Grundlage, weil es Inhalte und Redaktion gut kann. Alles darüber als eigenes Theme, von KI-Agenten geschrieben, von mir geführt und geprüft. Der Mensch führt Agenten, die Kontext holen, planen, Code schreiben und ausliefern. Ein Plugin nur dort, wo es etwas kann, das ich nicht nachbauen will.
Was gemessen ist
Die Website
- 3 aktive Plugins: das Forum für den Mitgliederbereich, eine Schnittstelle für KI-Agenten und der Importer aus dem Umzug.
- Eigenes Theme: 22 PHP-Dateien mit zusammen 5.388 Zeilen, verteilt auf 17 Module.
- Selbst gebaut statt gemietet: der Newsletter samt Versandwarteschlange und Auswertung unzustellbarer Mails, die Anmeldung per Einmal-Link mit Double-Opt-In und Einwilligungsnachweis, das Podcast-Verzeichnis mit automatisch geholten und zugeschnittenen Vorschaubildern, die Publikationsliste mit Kindle- und PDF-Knöpfen.
- 0 Tracking-Cookies, kein Banner. Die öffentlichen Seiten laden nichts von fremden Servern, gemessen im Browser über alle Anfragen einer Seite.
Der Server dahinter
- 10 eigene Dienste, sechs davon mit zusammen 6.542 Zeilen Code: ein Tor zu meinen lokalen Modellen, ein Präsentationsdienst, eine Schnittstelle für den Beratungs-Bot, eine Auswertung von Kennzahlen, ein Dienst für Anleitungen und ein Anmeldewächter.
Das Tempo
Die Website steht auf diesem Server seit dem 10. September. Das Podcast-Verzeichnis mit automatischen Vorschaubildern habe ich am 28. September beauftragt, am selben Tag lief es. Die Umstellung dieser Rubrik auf Fallstudien und die neue Publikationsliste stammen ebenfalls von diesem Tag.
Wo es fast schiefgegangen wäre
Selbst gebaut heißt: selbst verantwortlich. Am 15. September habe ich beim Lesen des eigenen Codes einen Fehler im Double-Opt-In gefunden. Das Einwilligungsfeld stand schon beim Absenden des Formulars auf „ja“. Wer die Adresse eines anderen eintrug, hätte diesen Menschen zum Abonnenten gemacht, ohne dass er je etwas bestätigt hat. Aufgetreten ist das nie, das Formular war seit einem Tag online. Ein fertiger Newsletter-Dienst hätte diesen Fehler vermutlich nicht gehabt. Dafür läge meine Liste dann auf dessen Server.
Und Wildwuchs entsteht auch im Eigenbau. Am 28. September habe ich aus den Stil- und Skriptdateien 154 Kommentare und 99 Regeln für längst entfernte Funktionen geräumt, zusammen rund 49 KB, die jeder Besucher mitgeladen hat.
So gehst du selbst vor
- Liste deine Abos auf. Neben jedes: Welche Funktion nutzt du davon wirklich? Oft ist es ein Bruchteil.
- Fang mit einer Funktion an, die klein und nervig ist. Ein Formular, eine Auswertung, ein internes Dashboard. Etwas, das sich als Kaufsoftware nie gelohnt hätte.
- Führ die Agenten, statt sie laufen zu lassen. Schreib auf, was die Funktion tun soll, was sie auf keinen Fall darf, und woran du erkennst, dass sie fertig ist.
- Lies den Code, den du ausliefern lässt. Mindestens die Stellen, an denen Daten von Menschen hängen. Der Fehler oben fiel beim Lesen auf, ein Test hatte nie danach gefragt.
- Räum regelmäßig auf. Eigenbau altert genauso wie gekaufte Software, nur merkt es niemand für dich.
Was diese Fallstudie nicht zeigt
Das hier ist der Aufbau einer einzelnen Person. Bei TLM Operations bauen wir am TLM-OS, einem wachsenden Bestand eigener Anwendungen für ein ganzes Unternehmen, und geben diese Kompetenz an Kunden weiter. Dessen Zahlen gehören nicht hierher. Was die Stunden gekostet haben, die ich mit dem Führen der Agenten verbracht habe, habe ich nicht gemessen.